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von Roger Blum

Tauchen in Mecklenburg-Vorpommern

Auf der Suche nach Grobi, dem Eiszeitfisch

Mit dem Taucherfloß auf dem Schmalen Luzin


Meine Floßerfahrung nimmt zu. Mittlerweile das dritte Mal begab ich mich mit einer Gruppe Tauchern des Tauchsportklubs Adlershof und dem Taucherponton „Eric“ vom Tauchcenter Feldberg auf den Schalen Luzin auf Entdeckungstour. Das Floß bietet Platz für etwa 10 Taucher.


Schmaler Luzin



Die Tour begann wie immer in Carwirtz am Südende des Sees. Von hier aus fuhren wir mit dem Taucherfloß entlang des Ufers zu schwer erreichbaren Stellen des Schmalen Luzin. Wir sollten diesmal nach Welsen Ausschau halten. In den umgestürzten Bäumen im Uferbereich sollten wir sie angeblich schon in einem halben Meter Wassertiefe antreffen können. Die Giganten des Süßwassers im klaren Wasser des Schmalen Luzin vor die Linse zu bekommen … die Vorstellung daran ließ mich schneller die Tauchausrüstung anlegen und sofort ins Wasser springen. Ich schwamm um jeden Baum, beäugte jeden Ast und schwamm den Flachbereich in 50 cm Tiefe ab. Ein Schnorchel hätte gereicht. Aber kein Wels. Bei einer Körpergröße von 1 – 1,5 m dürften die Fische doch nicht zu übersehen sein. Auch beim 2. Tauchgang nichts. Ich verbannte die Tiere mittlerweile ins Reich der Fabelwesen und Märchen. Taucherlatein. Aber zwei Mittaucher haben tatsächlich einen großen Wels gesehen. Die Glücklichen.


Hecht im Schmalen Luzin

Hecht im Schmalen Luzin


Gegen Mittag durchfuhren wir das „Schmal“, der mit ca. 70 bis 75 m engsten Stelle des Schmalen Luzin. Während der Mittagspause – gegrillt wurde auf dem Floß – wurde uns erzählt, dass wir beim nächsten Tauchgang auf Ostgroppen achten sollen. Die etwa fingerlangen Fische sollen sich versteckt unter Steinen aufhalten. Ostgroppen? Davon hatte ich bisher noch nie gehört.


Auf dem Taucherfloß


Ostgroppen sind ein Relikt der letzten Eiszeit. Am Rande der Gletscher sollen sie in Gebiete gelangt sein, wo sie sich nach dem Rückzug der Eismassen in einigen tiefen und somit kühlen Seen halten konnten. Der Schmale Luzin ist solch ein glazialer Rinnensee. Er entstand aus einer ehemaligen Schmelzwasserrinne unterhalb des Gletschereises, die sich nach dem Rückgang des Eises dauerhaft mit Wasser füllte. Der Schmale Luzin ist daher – verglichen zu seiner geringen Breite – auch sehr tief. Die Ostgroppen sollen so seit dem Ende der Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren vom Hauptverbreitungsgebiet abgetrennt worden sein und sich genetisch völlig isoliert haben. Hm, also schon wieder so ein Seefabelwesen? Grobi – der Eiszeitfisch aus dem Schmalen Luzin.

Tatsächlich leben in den tiefen klaren Seen zwischen Elbe und Oder zwei Groppenarten: die Westgroppe (Cottus gobio) und die Buntflossenkoppe (Cottus poecilopus), die auch als Ostgroppe bezeichnet wird. Bereits vor über 50 Jahren wurde das Vorkommen der Ostgroppe bei Feldberg beschrieben (vgl. Dr. Joachim Knaack, Groppen zwischen Elbe und Oder, in „Poseidon“, Jg. 1966, S. 66 f.). Es sei die einzige Population in Deutschland. Doch trotz häufiger Taucheinsätze gelang es damals den Wissenschaftlern nur ein Exemplar zu fangen. Wie hoch war also die Wahrscheinlichkeit eine zu sehen?

Eigentlich gar nicht so schlecht, wie sich später herausstellte. Denn nach der Wende begann man hier mit der gezielten Wiederansiedlung des als ausgestorben geltenden Eiszeitfischs. Im Jahre 2005 wurde erstmals eine kleine Anzahl von gezüchteten Ostgroppen im Schmalen Luzin ausgesetzt; im Mai 2011 wurde dann mit ca. 1.200 Tieren eine größere Anzahl nachgesetzt.


Geweihschwamm Spongila lacustris im Schmalen Luzin
Schmaler Luzin
Fingerschwamm Spongila lacustris im Schmalen Luzin
Fingerschwämme (Spongila lacustris) und Schnecke im Schmalen Luzin


Leider hatte ich kein Glück. Weder Ostgroppe noch Wels bekam ich vor die Linse. Dennoch war es ein schöner Tauchausflug. Die Fahrt mit dem Taucherponton war entspannend und spannend zugleich. Die Ruhe und Abgeschiedenheit sowie die bequeme Erreichbarkeit etwas abgelegener Tauchplätze machte den Ausflug zu einem tollen Erlebnis. Schöne Fotomotive boten die umgestürzten Bäume im Uferbereich, an deren Ästen sich häufig grüne Geweih- oder Fingerschwämme (Spongila lacustris) angesiedelt haben. Eine so große Anhäufung von Süßwasserschwämmen wie im Schmalen Luzin habe ich selten gesehen. Die Bäume werden von großen Hechten als Unterstand genutzt und dienen kleinen Jungfischen als Versteck.


Nach drei Tauchgängen erreichten wir mit vielen neuen Eindrücken gegen 17 Uhr die Tauchbasis am Haussee in Feldberg. Es hat mir wieder gut gefallen, und ich hoffe, dass wir die Tour im nächsten Jahr wiederholen werden.

Text/Fotos: Roger Blum

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