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von Roger Blum

Der Tonsee bei Klein Köris

Relikt des Berliner Baubooms


Tonsee Klein Köris

Der Tonsee bei Klein Köris - Relikt des Berliner Baubooms | Tauchen in Deutschland




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Südöstlich von Berlin zwischen Königs Wusterhausen und Märkisch-Buchholz gibt es mehrere interessante Tonseen. Der Tonabbau bescherte dem Gebiet am Ende des 19. Jahrhunderts einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Da infolge des Berliner Baubooms enorme Mengen an Ziegelsteinen benötigt wurden, entstanden hier eine Vielzahl von Tongruben, Ziegeleien und Kiesgruben. Gleich vor Ort wurde der Ton zu Ziegelsteinen gebrannt; die Ziegeleien befanden sich direkt an den Tonlöchern. Als dann Anfang des 20. Jahrhunderts der Tonabbau aufgegeben wurde, füllten sich die Tongruben rasch mit Wasser.

Tonsee Klein Köris Tonsee Klein Köris

Eine dieser ehemaligen Tongruben ist der Tonsee bei Klein Köris. Der 12 ha große See entstand aus einer Tongrube, die um 1860 angelegt wurde. Der See besteht aus zwei Teilen, die durch Landzungen beinahe getrennt sind. Im Bereich der beiden Landzungen sind die steil abbrechenden Lehmkanten deutlich zu erkennen. Im 2 bis 4 Meter-Bereich stehen endlose Schwärme von jungen Barschen über alten Mauerresten, etwas tiefer trifft man auf Schienen und Loren.

Die Relikte der einstmals blühenden Tonindustrie kann man heute überall unter Wasser bewundern. Der Tonsee lockt mit vielen interessanten „Sehenswürdigkeiten“ aus dieser Zeit. Man findet Reste von Gleisen, Rohren, Loren, eine Zuganlage für den Lorentransport und einen hölzernen Förderturm auf einem Häuschen.

Im hinteren Becken des Sees stieß ich vor Jahren zufällig einen mehrere Meter hohen hölzernen Förderturm. Ich tauchte im 4-5 m Bereich und entdeckte zuerst eine im Schlamm liegende Lore. Dann folgten dicke Balken und Rohre, denen ich folgte. Nach einigen Metern erreichte ich eine Art Turm auf dessen Spitze sich eine gewaltige, senkrecht gerichtete Seilrolle befindet.

Hecht im Tonsee
Förderturm im Tonsee
Förderturm im Tonsee

Auf der höchsten Stelle des Turms befindet sich eine kleine Plattform, an deren Ecke dicke Balken die Reste eines Geländers tragen. Innerhalb des Turms führt ein Schacht aus zerfallenen Bretterwänden nach unten. Dort befindet sich eine weitere Seilrolle. An der Außenseite des Turms führt eine hölzerne Leiter hinunter. Der Turm steht auf einem gemauerten Fundament bzw. Häuschen. Obwohl es hier nur 14 m tief ist, ist es stockdunkel. Das gemauerte Gebäude hat Fensteröffnungen in die man ins Innere gelangen kann. Es ist spannend, dieses Gebäude auf dem Seegrund zu erkunden. Aber es ist Vorsicht geboten. Man muss aufpassen, nicht hängen zubleiben, denn kreuz und quer staken Bretter und Balken entgegen. Das gesamte Gebälk macht einen sehr morschen Eindruck.

Förderturm im Tonsee
Förderturm im Tonsee

Eine weitere interessante „Sehenswürdigkeit“ ist einem mehrere Meter große hölzerne Konstruktion mit waagerechten Seilrollen, die sich im größeren Seeteil unweit des Badestrandes befindet. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Zugeinrichtung für die Loren. In der Umgebung findet man einige Schienenreste und eine fast im Schlamm versunkene Lore.

Tonsee Tonsee Tonsee

Wer weiß was für Überraschungen der Tonsee nach und nach noch offenbart. Im hinteren Teil – so warnte mich einmal eine ältere Dame – soll es gefährliche Strudel geben. Angeblich soll der Tonsee ja auch eine extrem tiefe Stelle. Aufgrund der geringen Größe des Sees würde mich das allerdings wundern. Ich bin jedenfalls dort noch niemals tiefer als 15 m gekommen, da es dann einfach zu dunkel, zu schlammig und zu kalt wurde.

Weitere lohnende Tonseen in der Umgebung sind unter anderem die Tonteiche von Körbiskrug, der Pätzer Tonsee, der Karbuschsee und der Heidesee in Halbe.

Fotos: Roger Blum


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