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von Roger Blum

Tauchen im Werbellinsee

Die Garnelen im Werbellinsee


Wieder einmal überlegte ich: Wohin zum Tauchen? Da erinnerte ich mich, dass mir J.S. von kleinen Schwebegarnelen im Werbellinsee erzählte. Seine Fundmeldung wurde von Klaus Rudolph und Michael L. Zettler in den Sitzungsberichten der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin wissenschaftlich beschrieben.

Bisher sind mir die kleinen Gesellen nicht aufgefallen. Diesmal wollte ich speziell auf die Suche nach den Schwebegarnelen gehen. Die Garnelen sollen in lichtgeschützten Bereichen, insbesondere unter Übergängen und in Höhlen, ab 20 m Tiefe zu finden sein. Es handelt sich um die schwarmbildende Rotflecken-Schwebegarnele Hemimysis anomala. Sie stammt ursprünglich aus dem Kaspischen Meer und wurde dort 1907 erstmals wissenschaftlich beschrieben. Seit einigen Jahren breitet sich die Art auch in Mitteleuropa aus. Über die deutschlandweite Verbreitung und deren Einfluss auf die einheimischen Lebensgemeinschaften ist allerdings derzeit noch wenig bekannt. Es wird vermutet, dass die erste Exemplare im Ballastwasser eines Frachtschiffes nach Deutschland gekommen sind und dann allmählich verschleppt worden sind.




Gemeinsam mit meiner Tauchpartnerin Julia machte ich mich auf die „Jagd“. Die Sicht im Werbellinsee war außerordentlich gut. Bei unserem Abstieg entdeckten wir viele Steinbeißer, auch Dorngrundeln genannt, sowie ein Stichlingsmännchen in rotem Brutkleid, der sein Nest aus Pflanzenmaterial verteidigte. Doch wir konnten uns nicht zu lange hier aufhalten, denn schließlich waren wir auf Garnelenfang. Und die leben nun einmal ein paar Stockwerke tiefer. Das Wasser wurde merklich kühler und dunkler, die Sicht dagegen immer besser. Mit der Taschenlampe suchte ich den Grund ab. Bereits auf 17 m Tiefe sah ich einige Rotflecken-Schwebegarnelen. Das direkte Tageslicht meidend, hielten sie sich die nicht einmal 1 cm großen Tiere unter einem großen Baumstamm auf. Ich musste schon genau hinschauen, um sie zu erkennen. Aufgeschreckt durch den Lichtkegel huschten sie über den Grund. Sie einzufangen war gar nicht so einfach. Die Schwebegarnelen sind schnelle und wendige Schwimmer. Behutsam fing ich einige Exemplare ein und wir tauchten zurück.

Zu Hause im Aquarium hatte ich die Möglichkeit die gefangenen Rotflecken-Schwebegarnelen genauer zu betrachten. Sie ähneln zwar äußerlich den Garnelen der Ordnung der Zehnfußkrebse, sind aber nicht näher mit ihnen verwandt. Vielmehr gehören sie zu den Ranzenkrebsen. Ihr Körper ist vom Kopf bis zum Schwanz transparent mit einem rosaroten Schwanzende. Auffällig sind die beiden hervorstechenden, auf Stielen sitzenden, kugelförmigen Augen und die langen, zweiästigen Fühlerpaare. Deutlich zu erkennen war auch der rote Fleck auf der Mitte des Schwanzfächers (sog. Telson). Es ist das namensgebende Schlüsselmerkmal der Rotflecken-Schwebegarnele.


Rotflecken-Schwebegarnele Hemimysis anomala


Alles in allem war es ein sehr schöner Tauchausflug. Ein Tauchgang am Dornbusch muss nicht immer zu den Kaffenkahnwracks führen.


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