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von Steven Blum

British Virgin Islands, BVI

Tauchen an der RMS Rhone


Die RMS Rhone ist eines der berühmtesten Wracks der Karibik. Der Luxusdampfer sank 1867 bei einem Hurrikan vor Salt Islands südlich von Tortola (British Virgin Islands) und ist durch den Unterwasser-Thriller "Die Tiefe" weltberühmt geworden. Heute ist das Wrack geschütztes Monument und Attraktion für Taucher und Schnorchler.

Hier an der Westküste von Salt Island, BVI liegt in einer Tiefe von 9 bis 28 Meter die RMS Rhone


29. Oktober 1867. Ein gewaltiger Wirbelsturm, bei dem etwa 800 Menschen starben und tausende obdachlos wurden, tobte durch die Karibik. Zahlreiche Inseln und Orte wurden Opfer des Hurrikans. So blieben nicht einmal zwanzig Häuser auf Tortola stehen, auf Jamaica waren es sogar nur fünf von 80 Gebäuden. 75 Schiffe sanken während des Sturms, darunter auch die legendäre RMS Rhone, eines der stolzesten Schiffe des damaligen Transatlantikverkehrs. Der 94 m lange und 12 m breite Zweimaster verfügte neben der üblichen Beseglung bereits über Maschinenkraft und pendelte für die britische Reederei Royal Mail Line zwischen Europa und den British Virgin Islands.

Im Jahre 1865 wurde die R.M.S. "Rhone" in England von der "Millwall Iron Works Company" auf der Isle of Dogs (London) für den Handelsverkehr von England nach Zentral- und Südamerika und in die Karibik erbaut. Die Größe betrug 2738 BRT. Das Schiff hatte einen einzelnen Propeller, es war erst der zweite, der aus Bronze gegossen worden war. Das Schiff war nicht nur als Fracht- und Postschiff konzipiert, sondern auch als Passagierschiff. 235 Passagiere konnten in der Ersten Klasse und je 30 Kabinen Zweiten und Dritten Klasse untergebracht werden.

RMS Rhone RMS Rhone

29. Oktober 1867. Am Morgen lag die Rhone bei spiegelglatter See gemeinsam mit ihrem Schwesternschiff, dem hölzernen Raddampfer RMS "Conway" bei Peter Island vor Anker, um die Kohlevorräte aufzufüllen. Gegen 11 Uhr verdunkelte sich der Himmel und der Sturm zog auf. Mit voller Kraft liefen beide Schiffe gegen Wind und Wellen an, um die Ankerketten zu entlasten. Während einer kurzen Windflaute beschlossen beide Kapitäne, zum Schutz der Schiffe aufs offene Meer zu fahren, bevor der zweite Schub des Hurrikans sie an die Küste schleuderte. Nachdem alle Passagiere der Conway auf die Rhone gebracht worden waren, da diese als viel sicherer galt, ließ Kapitän Hammock von der Conway den Anker lichten, um zum schützenden Hafen von Road Town zu fahren. Nach kurzer Strecke wurde das Schiff jedoch bei der Überquerung des Sir Francis Drake Channels von einer so starken Bö getroffen, dass die Masten weggefegt und Aufbauten stark beschädigt wurden. Die Conway sank. Es gab keine Überlebenden.

RMS Rhone RMS Rhone


Als Kapitän Sir Robert F. Wooley von der Rhone den Ankerplatz wechseln wollte, brach beim Einholen des 3000 Pfund schweren Ankers ein Schäkel im Kettenkasten und das Schiff trieb manövrierunfähig zwischen den Inseln Salt Island und Dead Chest (die als Stevensons "Schatzinsel" Literaturgeschichte machte). Alle Bemühungen, das Schiff ins offene Wasser zu bringen und den Sturm dort abzuwarten, schlugen fehl. Bei der Umrundung der äußersten Westspitze von Salt Island drehte der Wind und gewaltige Brecher warfen das Schiff seitwärts gegen die scharfkantigen Felsen von Black Rock Point. Wasser drang in den Maschinenraum und brachte den Heizkessel zur Explosion. Dadurch brach das Schiff in zwei Hälften und sank in Minutenschnelle, so dass nicht einmal Rettungsboote ins Wasser gelassen werden konnten.


Von den 147 Passagieren und Besatzungsmitgliedern der Rhone und den zahlenmäßig nicht erfassten Passagieren der Conway entkamen der Katastrophe nur 23 Personen, allesamt Besatzungsmitglieder. Die Passagiere ertranken, da sie den damaligen Gepflogenheiten entsprechend an ihre Betten gebunden waren, um im Sturm nicht herauszufallen.

Rumpfelement der Rhone Krähennest


Bereits 5 Monate nach dem tragischen Unglück waren die ersten Taucher am Wrack. Die Gebrüdern Murphy bargen Brandy, Champagner, Wein, Baumwolle und 80.000 Englische Pfund in bar.

Da das Wrack der Rhone in sehr flachem Wasser lag und somit eine Gefahr für den Schiffsverkehr darstellte, wurde das Heck in den 1950er Jahren durch die Royal Navy gesprengt. Heute liegt das Wrack in einer Tiefe zwischen 9 und 24 m und ist als künstliches Riff eine beliebte Stelle zum Tauchen. Das Gewässer rund um das Wrack wurde im Jahre 1980 zum Marine Nationalpark erklärt und ist der erste und einzige Marine Nationalpark in den British Virgin Islands. Möglicherweise ist es der einzige Park der Welt, der seine Existenz einem Schiffswrack verdankt.

RMS Rhone RMS Rhone
Bullaugen am Wrack der RMS Rhone


Der größte Teil der Rhone ist immer noch gut erhalten und absolut sehenswert, einschließlich des Decks, Teile der Takelung, der üppig bewachsene Vormast mit seinem Krähennest oder die gigantische Schraube. Auch nach so vielen Jahrzehnten ist noch deutlich die prunkvolle Bauweise des Schiffs zu erkennen. Der Schiffsrumpf ist fast vollständig mit orangefarbenen Korallen bedeckt und Schildkröten und bunte tropische Fische umschwärmten das Schiff. In den vielen Spalten und Rissen der Rhone haben sich unzählige Langusten, Muränen und Kraken angesiedelt.

Während die Bugsektion in 28m Tiefe liegt und damit zu den am tiefsten liegenden Teilen des Wracks gehört, liegt die Heckhälfte in einer Tiefe von nur 9 m, wobei das Ruder des Schiffes bis zu 4,50 m unter der Wasseroberfläche aufragt. Das Heckteil ist nicht mehr so gut erhalten. Die Dampfkessel und andere Schiffsteile liegen wild zerstreut am Meeresboden umher.



Auch in der Kinowelt ist die "Rhone" berühmt. Als Wrack "Goliath" diente sie in dem 1977 gedrehten Film "Die Tiefe" ("The Deep") mit Jacqueline Bisset und Nick Nolte in den Hauptrollen. Unvergessen natürlich die sexy Jacqueline Bisset, die nur mit einem weißen T-Shirt bekleidet nach einem Schatz getaucht ist und bestimmt so manchen männlichen Zuschauer zum Taucher gemacht hat. Die Drehbuch-Vorlage basiert übrigens auf dem Roman "Das Riff" von Peter Benchlay, dem Autor des Klassikers "Der Weiße Hai".

Quellen:
Fred Dembny, Tauchreiseführer Puerto Rico, Delius Klasing Edition Nagelschmid, Verlag Stefanie Nagelschmid, Stuttgart (1995), S. 92 - 100.
Wikipedia



Text/Fotos: Steven Blum


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