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von Roger Blum

Spanien

Finger weg von "Josephine"

Ich habe „Josephine“ im Herbst auf Mallorca kennen gelernt. Sie ist zwar schon etwas älter und wahrlich nicht die Schönste, aber sie ist etwas ganz besonderes. Der Zahn der Zeit hat der alten Dame inzwischen übel mitgespielt. Eigentlich ist sie nur noch ein Trümmerhaufen, dennoch habe ich mein (Taucher-)Herz an sie verloren.

Die MS „Josephine“ gilt als der spektakulärste Tauchplatz Mallorcas. Ihre Überreste liegen auf 34 m Tiefe im Kanal zwischen Sant Elm und der Insel Dragonera im Südwesten der Insel. Beeindruckend sind hier vor allem die vielen Muränen, die sich unter den Deckplanken und ehemaligen Aufbauten angesiedelt haben. Die eigentlichen Stars sind aber große, fast 2 m lange Congeraale. Sie haben einen Körperdurchmesser vergleichbar mit einem kräftigen Männeroberschenkel. Die „Josephine“ ist daher auch als das „Congerwrack“ bekannt.

Conger an der Josephine


Die Tiere sind offensichtlich an Taucher gewöhnt, denn sie zeigen keine Scheu und strecken ihre Köpfe entgegen. Hier sollte man vermeiden, sich irgendwo festzuhalten oder sich beim Fotografieren mit zwei, drei Fingern zu stabilisieren. Eine übermutige Muräne oder ein Conger könnte versehentlich zubeißen. Neugierig schwammen sie sogar auf uns zu. Ich wich stets zurück, bevor sie die Linse meines Fotoapparats berührten, was natürlich auch die Conger erschreckte. Detlef filmte und deutete an, dass ich nicht immer zurückzucken solle. Er hatte ja auch eine riesige Kamera vor sich, mit der er im Notfall einen zu aufdringlichen Congeraal hätte abwehren können. Mein kleiner Fotoapparat hätte dagegen ins Maul des Meeraals gepasst. Ich sah mich schon mit einem Finger weniger nach Hause fliegen...

Muräne am Conger-Wrack

Auftieg von der Josephine


Für Taucher mit zarten Nerven bietet Mallorca viele taucherische Alternativen, etwa die Felsküste rund um Cala Ratjada, der Rochenbucht, oder die reizvollen Tauchplätze rund um die Isla Dragonera. Hier trifft man regelmäßig auf Zackenbarsche, Oktopusse, Muränen und Barrakudas. Aber eine echte Konkurrenz für die alte Dame „Josephine“ sind die Tauchplätze nicht.


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