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Was lebt im Mittelmeer?




von Roger Blum

Tauchen in Italien

San Pietro – Begegnung mit dem Petersfisch

Castelsardo/Sardinien


Bei spiegelglatter See passiert das Zodiac des Batrakos Diving Center die Hafenausfahrt von Castelsardo. Malerisch klebt der kleine Küstenort im Nordwesten Sardiniens an einem Felsen. Die Altstadt drängt sich an den steil aus dem Meer ragenden Fels, der von einer wuchtigen Festung gekrönt wird. Die Festung von Castelsardo beherrscht die Gegend. Ich blicke aufs Meer und bin glücklich. Es ist nicht einmal 9 Uhr und die Berge Sardiniens erscheinen noch in einem diffusen Licht. Die Insel erwacht gerade. Während die meisten Touristen noch in den Hotels ihren zweiten Frühstückskaffee trinken, sind wir schon auf dem Wasser und fahren nach Norden auf den Golf von Asinara. Heutiges Ziel ist der Tauchplatz „Schiena Gorgonie“. Voraus kann ich bereits die Silhouette Korsikas erkennen. Die Meerenge zwischen Korsika und Sardinien ist nur 12 km breit.

Die Festung Castelsardo und Altstadt


Am Tauchplatz angekommen lasse ich mich rückwärts vom Schlauchboot fallen. Das Riff liegt leider sehr tief, es beginnt bei 38 m Tiefe. Dafür soll es mit herrlichen Gorgonien überzogen sein. Der Tiefenmesser zeigt 20, 30, 40 m …


Als ich den Grund erreiche blicke ich nach rechts und sehe unmittelbar neben mir einen etwa 60 cm langen Fisch, dessen vordere Rückenflosse auffallend lange Stachelstrahlen haben. Träume ich oder sind es erste Anzeichen des Tiefenrauschs? Mein erster St. Petersfisch! Deutlich zu erkennen ist der schwarze, hellumrandete Fleck auf der Seite des Fisches. Der Legende nach soll der Fleck der Fingerabdruck des Apostels Paulus sein. Paulus soll dem Fisch ein Goldstück aus dem Mund gezogen haben. Ich will ihm nicht in seinen Schlund greifen, sondern nur filmen. Der St. Petersfisch blieb ganz ruhig. Erst als ein zweiter Taucher auf ihn aufmerksam wurde und wild gestikulierend auf ihn zu schwimmt, hat er genug und schwimmt fort. Da ich mich bereits auf 46 m Tiefe aufhalte, will ich ihm nicht weiter in die Tiefe folgen. Arrivederci, San Pietro.

Tauchen vor Castelsardo

Zeus faber

Abstieg zum St. Petersfisch (Zeus faber)

Ich tauche zurück zum Riff, welches über und über mit herrlichen roten Gorgonien, gelben Krustenanemonen und orange-gelben Schwämmen bewachsen ist. Die Sicht ist außerordentlich gut. Nicht nur das kristallklare Wasser, sondern auch der Bewuchs erinnert mich ein wenig an karibische Riffe. In der Meerenge von Bonifacio, die Sardinien und Korsika voneinander trennt, besitzt das Wasser eine große Reinheit und bietet Korallen einen idealen Lebensraum. Bereits bei vorherigen Tauchgängen sah ich mehrere Langusten, die mir ihre langen Antennen entgegenstreckten, schöne Nacktschnecken und Gorgonien. Leider fehlten die großen Fische. Ich hatte nur einen kapitalen Zackenbarsch gesehen. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass in Italien das Sperrfischen noch erlaubt ist und sich einer außerordentlichen Beliebtheit erfreut.


Tauchen vor Castelsardo

Tauchen vor Castelsardo

Tauchen vor Castelsardo


Viel fischreicher zeigt sich der Tauchplatz „Schiena Gorgonie“. Ich glaube das liegt daran, dass der Tauchplatz erst auf 38 m Tiefe beginnt und somit für die Speerfischer schwer zu erreichen ist. In den Spalten des Riffs sehe ich große Gabeldorsche und Bandbrassen sowie einen beindicken Congeraal. Immer wieder schaue ich mich um, in der Hoffnung, dass sich San Pietro noch einmal blicken lässt.

Phycis phycis


Conger

Hypselodoris picta


Der Computer mahnte zum Auftauchen. Gern wäre ich noch länger geblieben. Die nächsten 20 min hänge ich an der Dekoleine und betrachte bizarres Plankton, das im Blauwasser an mir vorbeizieht. Auf dem Boot ist das erste Thema natürlich der San Pietro.

Pelagia noctiluca

Tauchen vor Castelsardo

Pelagia noctiluca

Die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca) gehört zu den wenigen europäischen Quallen, deren Nesselkapseln die menschliche Haut durchdringen können.

Das Deko-Bier genieße ich bei einem herrlichen Ausblick auf die Festung von Castelsardo. Besonders schön ist der Blick aber am Abend, wenn die Strahlen der untergehenden Sonne die Altstadt in ein warmes Licht tauchten. Danach färbt sich der Himmel langsam lila und rot. Ein schöner Tauchtag neigt sich zu Ende…

Zur Tauchbasis:

Das Batrakos Diving Center ist ein PADI 5 Star Dive Resort. Die Tauchbasis befindet sich in Lu Bagnu, etwa 2 km vom Hafen Castelsardo entfernt. Das Basispersonal ist sehr freundlich und die Ausrüstung machte einen gepflegten Eindruck. Gesprochen wird Italienisch und ein wenig Englisch, jedoch kein Deutsch. Getaucht wird natürlich auf italienische Art, d.h. Deko-Tauchgänge über 40 m Tiefe sind keine Seltenheit. Der Nachteil der langen Dekozeiten wird durch äußerst schöne Tauchplätze ausgeglichen. Die Tauchausflüge beginnen meist früh am Morgen gegen 8.30 Uhr. Positiv aufgefallen ist mir, dass die Tauchbasis auch am Nachmittag ausgefahren ist, als ich am Vormittag verhindert war und am Nachmittag der einzige Gast war. Roberto sagte zu mir: It´s not a job, it´s passion. Es werden insgesamt 15 Tauchplätze angefahren: Secca di Castelsardo, Algherese, Frigiano, Schiena di Cavallo, Scoglio Gorgonie, Schiena Gorgonie, Punta Spinosa, Lu Porthu de la Rena, Lu Rujpu, Tre Azzi, Lu Casteddu, Vignaccia sowie die Wracks “Gazzella”, “Podestà“ und „Albatros“. Das bekannteste ist das Wrack der „Gazzella“. Es liegt auf 50 – 55 m Tiefe und ist daher nur Tec-Divern zugänglich.

Kontakt:
A.S.D. BATRAKOS Diving
Corso Italia, 64
07031 Lu Bagnu/Castelsardo
Tel.: 333 / 2971396, 338 / 2184519
Email: info@batrakosdiving.it
Web: www.batrakosdiving.it
(Stand: September 2016)

Es gibt noch eine weitere Tauchbasis in Castelsardo, das Centro Sub Castelsardo (info@castelsardosub.it). Die Basis kann ich leider nicht empfehlen. Ich buchte dort einen Tauchausflug inklusive Pickup vom Hotel. Ich wartete über 30 min am Hotel, doch niemand erschien. Erst als ich anrief und nachfragte, wurde mir mitgeteilt, dass kein Tauchausflug an diesem Tag stattfinden konnte. Man wollte sich bei mir zwecks eines Alternativtermins melden. Auf den Anruf warte ich noch immer…

Text/Fotos: Roger Blum



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