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von Dieter Langenhahn

Deutschland

Tauchen in den türkisfarbenden Augen Thüringens


Im thüringischen Land, zwischen den Gebirgen Hainich-, Dün-, Hainleite-, Schmücke und Finne, liegen die Juwelen nicht auf der Straße, sondern versteckt hinter großen Baumgruppen, in Stadtparks oder mitten auf dem Acker. Es sind die Erdfallquellen die Taucher in diesem Gebiet zum schwärmen bringen. Doch eingangs sollte gleich darauf hingewiesen werden, das die Quellen Naturdenkmale sind und somit ganz bestimmten Restriktionen unterliegen. Also die Quellen sind nichts für den Tauchtourismus und den normalen Tauchausflug da auch noch einiges an technischen Vorbereitungen, Sicherungsmaßnamen und teilweise bergsteigerisches Können verlangt wird. Wir, einige wenige des Tauchsportklubs Adlershof e.V. Berlin bereiteten sorgfältig diese „ Film- u. Forschungsreise“ vor und starteten von Berlin um 5.00 Uhr in Richtung Thüringer Becken um die Juwelen dieser Gegend zu dokumentieren.

Etwas zur Entstehung:
Das Thüringer Becken war in der Entstehungsgeschichte der Erde einmal ein riesiges Meer, so daß im Laufe der Jahrmillionen diese einzigartige Karstladschaft entstanden ist. Die umliegenden Gebirge speichern das Wasser und lassen es durch die feinen Spalten und Ritzen ins Innere laufen, wo dann größere Auswaschungen Höhlen bilden und das Wasser zu unterirdischen Flüssen anwachsen läßt.

Somit entsteht ein großer statischer Druck, der das Wasser ans Tageslicht bringt. Davon zeugen viele kleinere und größere Quellen, die auch oft zur Trinkwassergewinnung genutzt werden. Möchte man sich dieses Naturschauspiel trockenen Fußes ansehen und noch nähere Informationen erfahren, so kann man die Heimkehle, eine Höhle mit großen Untertageseen zwischen Rottleberode und Stempeda in der Nähe von Nordhausen besichtigen. Ein weiters Ziel könnte der „versteinerte Wasserfall“ in Großbartloff sein. Hier hat der im Wasser gelöste Kalk Blätter und Äste umspült und diese vor tausenden von Jahren eingeschlossen. Somit kann man heute noch, die zwar verrotteten Fossilien, sehr gut als Abbildung deutlich erkennen.

Aber nun zu den Quellen selber, aus denen aus einer Tiefe von über 100m zum Teil mit großen Druck, enorme Wassermassen zu Tage treten. Der Weg führte uns nach einer vierstündigen Fahrt zu unserem ersten Ziel, dem Gründelsloch. Eingebunden in einen Park sahen wir unten ein türkis schillerndes Wasser, was sich, als wir näher herankamen, als glasklares Quellwasser entpuppte. Der Einstieg und der Ausstieg gestalteten sich sehr schwierig, da an den einzigen Stellen wo man überhaupt an das Wasser kam, die Abflüsse der Quelltöpfe sind und es dort durch den gelösten Kalk sehr tiefe Schlammablagerungen gibt. Nach dem wir dann mit weiten Sprüngen versuchten, so wenig wie möglich Sedimente aufzuwirbeln und fast in der Mitte der Wasserfläche landeten, sahen wir durch das Klare Wasser nach unten in den fast endlos wirkenden Quellgrund. Von oben sahen wir bereits die Öffnung aus der die Wassermassen strömten.

Also abgetaucht und fotografiert, geforscht und gefilmt. Die Quelle hat eine max. Tiefe von 7,2m und einen Durchmesser von durchschnittlich 35m. Auf dem Grund gibt es mehrere Austrittswirbel, aus denen enorme Wassermassen strömen. Sie haben einen Durchmesser von 15-20 cm. Der größte, fast im Zentrum des Quellgrundes gelegen, hat eine ca. 50cm lange und 10cm breite Spalte. Sich darüber zu halten ist auf Grund des hohen statischen Drucks nur schwer möglich, jetzt kann man sich auch vorstellen, daß die Schüttung von 22.000m³ pro Stunde nicht übertrieben ist. Kieselalgen, Armleuchteralgen und Schraubenalgen wachsen auf Grund des hohen Nährstoffgehaltes und des klaren lichtdurchfluteten Wassers bis auf den Grund. Trotz größter Vorsicht war die Quelle nach dem ca. 20 min Tauchgang durch die feinsten Kalksedimente, die aufgewirbelt wurden, stark getrübt. Mit der Gewißheit noch einmal herzukommen um die noch nicht festgehaltenen Einzelheiten weiter zu dokumentieren und dann das Wasser wieder klar vorzufinden, starteten wir zum nächsten „Loch“.

Etwa 25 km entfernt sollte die Mühlteichquelle liegen. Erst nach mehreren Nachfragen bei den netten Bewohnern dieser Gegen bekamen wir nähere Informationen und auch den richtigen Namen, es ist die Bruchteichquelle der unsere Aufmerksamkeit galt. Diese Quelle wird auch zur direkten Trinkwassergewinnung genutzt und hat einen angestauten Wasserspiegel, der in der Vergangenheit auch eine Mühle trieb. Vom Ufer aus waren wir sehr unschlüssig ob dies auch das richtige Gewässer war welches in einer Tiefe von 8,2m zwei Quelltöpfe haben soll. Von zwei verschiedenen Einstiegsstellen begaben wir uns dann auf unsere Erkundungsreise in die Erdgeschichte. Auch hier glasklares Wasser und den flachen sehr verschlammten Grund überwucherten allerlei Algen. Über mehrere kleine ca. 2m tiefe Quelltöpfe tauchten wir hinweg um die beiden Hauptquellen zu erkunden. Hier, entgegen der Literatur, kam uns ein Karpfen entgegen und einige dreistachlige Stichlinge konnten auch beobachtet werden. Nach kurzer Zeit trübte sich das Wasser sehr stark ein und die Sicht wurde gleich null.

In unmittelbarer Nähe befinden sich noch etliche Erdfallquellen, die mit einer Wassertiefe von 40 - 3.000cm zum Tauchen eher ungeeignet sind, aber ein genau so klares Wasser aufweisen. Die geringen Tiefen sind der Tatsache geschuldet, das der Fluß Unstrut mit seinem Hochwasser viel Schlamm in die Quellen eingetragen hat und hier die Quellwirkung die enormen Schlammassen nicht wegschwemmen kann. Somit sind das Gläserloch und das Kutscherloch Kleinode der Natur und sehr schön anzusehen aber für Unterwasserforschungen eher ungeeignet. Danach ging es zur tiefsten Erdfallquelle in dieser Gegend, der Thomasquelle. Hier erwartete uns mitten auf einem Feld eine Quelle, die nicht nur tief und klar ist, sondern mit ihrem ca. 12m Durchmesser und einem 3m hohen Rand die meisten Schwierigkeiten für den Ein- u. Ausstieg mit sich brachte. Doch ausgerüstet mit Leiter und ordentlichem Tauwerk, durchtrainiert und willensstark haben wir diesen Tauchgang im Teamgeist und mit Akribie und einer recht guten Foto- und Filmausbeute durchgeführt. Die Tiefe beträgt auf Grund eines im vergangenen Jahr stattgefundenen Erdrutsches und eines wieder durchlässig gemachten Ablaufs, immerhin noch 37,8m. Auch hier sind die senkrecht abfallenden Wände der Quelle in den Abbruchstellen mit feinsten Sedimenten besetzt die sich durch die aufsteigenden Luftblasen lösen und somit schnell zur Wassertrübung beitragen. Quelltöpfe wie in den anderen Quellen sind hier nicht zu beobachten und durch die sehr geringe Schüttung, die bewirkt, daß die Sinkgeschwindigkeit der Schwebeteilchen fast gleich der Quellwirkung ist, wird die durch uns verursachte Wassertrübung noch einige Tage anhalten. Über dieses Wasser ist aus vergangenen Tauchgängen von mehreren Personen zu berichten, daß sie nach dem Tauchgang einen etwas beschleunigten Stuhlgang bekommen haben. Dies ist auf die im Wasser gelösten Mineralien zurückzuführen, also niemals das Wasser aus der Thomasquelle in den Mund nehmen, außer man möchte …

Nach dem Abbau unserer fachmännisch angebrachten Sicherheitsleinen und Leitern alles wieder auf den Rücken geladen und zurück ca. 300m über einen frisch gepflügten Acker zu unseren Autos. Dort angekommen mußten wir erst einmal den satten, lehmigen Boden von unseren Schuhen entfernen der dort in großen Fladen anhaftete um dann weiter zum Melchorbrunnen zu fahren. Am westlichen Rand eines kleinen Dorfes liegt dieser 23m tiefe Erdfall inmitten eines von Quellen nur so pulsierenden kleinen parkähnlichen Gebiet mit einigen Wochenendgrundstücken. Von diesen Quellen ist aber nur noch der Kainsprung betauchbar. Aber durch ein ständig getrübtes Wasser ist diese Quelle für Film,- u. Fotoarbeiten ungeeignet, was uns aber in der Zukunft bei weiteren Tauchexpeditionen nicht davon abbringen kann unseren Forschungsdrang weitere Abstiege auch in dieses Wasser folgen zu lassen.

Nun hat oder ist der Melchorbrunnen von seiner Geometrie unter Wasser eine typische Erdfallquelle mit einer birnenförmigen Ausbildung der Abbruchkannten. Weiterhin bieten die von den Ufern in die Quelle gestürzten großen Bäume, die wie natürliche Schranken dem Taucher das Eindringen in die Geheimnisse der Karstlandschaften verwehren wollen, ein einmaliges Naturschauspiel. Aber für ungeübte Taucher können diese Bäume schnell zum Verhängnis werden, genauso wie die steilen ca. 1,5m hohen Ufer die ohne genaue Vorbereitung eine unüberwindliche Hürde auf den Weg an Land darstellen.

Hat man sich an den weißen ebenfalls mit feinem Sediment besetzten Abbruchkannten aus Muschelkalk in die Tiefe gekämpft öffnet sich in einer Tiefe von ungefähr 20m wiederum der Durchmesser auf das Anfangsmaß von ca. 17m. Mit einer Höhlen ähnlichen Ausbuchtung in Richtung des Höhenzuges Hainich erreicht die Quelle in23,7m auch die größte Tiefe. Da diese Stelle auch nach einem etwas längerem Tauchgang noch klar war, kann man davon ausgehen , daß auch hier die Hauptschüttung der Quelle ist. Dies kann aber auf Grund der geringen Quellwirkung nur schwer meßtechnisch bewiesen werden, so daß dies nur eine Vermutung ist.

Da nun seit dem Aufstehen um 4.00 Uhr schon 15 Stunden vergangen waren, es bereits dunkel wurde entschlossen wir uns den Heimweg anzutreten. Aber dies mußte wohl oder übel noch über einen kleinen Umweg geschehen. Denn für die zukünftigen Expeditionen mußte unbedingt noch ein Naturschauspiel besonderer Art gesucht und wenigstens von Land aus erkundet werden. So tat sich dann nach einer halben Stunde als erstes ein großes Schild „TAUCHEN VERBOTEN“ im dunkeln auf, bevor wir in sumpfiger Landschaft die Golkenquelle klar im Licht unserer Handlampen blinken sahen. Schon von oben sah man die Sandfontänen die von einer enormen Schüttung zeugen und von dem sprudelnden Wasser mit nach oben gerissen werden. Augenzeugen berichten, daß nach drei Tagen Regen diese Sedimentfontänen eine Höhe von fast 1,5m erreichen können.

Also unser Entschluß steht fest, bei der nächsten Quellentour werden wir mit Genehmigung der Behörden auch hier versuchen eine ordentliche Dokumentation zu erstellen. Müde und voll mit einzigartigen Eindrücken über und unter Wasser traten wir nun endgültig die Heimreise an. 23.15 Uhr war es dann geschafft und Berlin hatte uns wieder.

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